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Dieter Gefeke von Einprozent: Es kommt eben darauf an, dass alle Kinder die gleichen Chancen bekommen.

von Milena Rampoldi, ProMosaik. Anbei mein Interview mit dem Präsidenten von Einprozent, Dieter Gefeke. Ich habe mich mit Herrn Gefeke über die Zielsetzungen seines Vereins und die Bedeutung der Bildung für die Entwicklung einer Gesellschaft unterhalten. Das Zauberwort ist Chancengleichheit. Und dafür setzt sich Einprozent in seinen Projekten ein. Denn die Kinder sind die Zukunft unserer Welt.



Milena Rampoldi: Welche sind
die Hauptziele von Einprozent und was hat es mit dem Namen an sich?
Dieter Gefeke: Das Hauptziel von 1% für Kinder ist es, dass alle Kinder auf
dieser schönen Welt Nahrung, Kleidung, Unterkunft, medizinische Hilfe und
angemessene Bildung bekommen.
Der Name der Organisation ist das Ziel!
Über eine Milliarde Menschen leben in extremer Armut. Mehr
als 60 Millionen Menschen sind auf der Flucht.
In Deutschland gibt es 43 Mill. Berufstätige mit einem
Einkommen von durchschnittlich 37.900 € im Jahr.
Wenn jeder Berufstätige 1% seines Einkommens für die Kinder
in Not bezahlen würde, wären das 379 € mal 46 Mill Berufstätige, dass wäre die
Summe von 16,297 Milliarden €.
Nun kann man weiterrechnen, wenn überall auf der Welt 1% für
Kinder gespendet werden würde. Die Summe könnte reichen, um aller Not ein Ende
zu bereiten. 1% vom Einkommen ist für jeden nicht viel, weil immer noch 99%
verbleiben. Doch dieses 1 % vom Einkommen kann für viele Kinder alles sein.


MR: Die Kinder
sind Hoffnung und Zukunft der Welt. Wie sehen Sie das?
DG: Natürlich sind Kinder die Hoffnung und die Zukunft dieser
Welt. Ohne Kinder wäre die Welt in wenigen Jahren ausgestorben. Es kommt eben
darauf an, dass alle Kinder die gleichen Chancen bekommen. Damit Sie in Frieden
leben und ihre angeborenen Fähigkeiten in Freiheit und gleichberechtigt
entwickeln können.
MR: Wie kann
Bildung die Welt verändern?
DG: 1% für Kinder sagt: „Kinder brauchen Bildung, damit sie genug
zu essen haben.“
Bildung kommt von lernen. Es ist ein lebenslanger
lebensbegleitender Entwicklungsprozess, bei dem der Mensch seine geistigen,
kulturellen und auch die lebenspraktischen Fähigkeiten sowie seine persönlichen
und sozialen Kompetenzen erweitert.
Schon das Baby und das Kleinkind lernen zu essen, zu trinken
und zu laufen. Dann lernt es zu spielen, dann lernt es sprechen, lesen
schreiben und so weiter, bis das Kind gelernt hat was ethische Werte wie
Nächstenliebe, Mitgefühl, Toleranz, gegenseitige Achtung, Freiheit,
Verantwortungsbewusstsein, Arbeit und sinnvolle Freizeitgestaltung ist. Das
Gelernte in seiner Gesamtheit befähigt dann das Kind, den Menschen, es so zu
gebrauchen, dass es die Grundbedürfnisse und einiges mehr sich erfüllen kann
und einen wertvollen Beitrag für die Allgemeinheit beizutragen. Je mehr
Kinder/Menschen die Chance bekommen sich zu bilden, je positiver wird sich die
Welt verändern.


MR: Wie kann
Bildung Respekt vor der Diversität und Toleranz fördern?
DG: Bildung verschafft dem Menschen das Wissen um die
Vielfältigkeit (Diversität) und die individuellen Merkmale von Menschen,
Anschauungen, Gruppen und der Natur in dieser Welt. Hierdurch entsteht ein
Respekt vor der Diversität der Menschen und der Natur. Dieser durch die Bildung
erworbene Respekt fördert die Toleranz gegenüber anderen Auffassungen,
Meinungen und Einstellungen.
MR: Wie kann
uns Astrid Lindgren heute inspirieren?
DG: Astrid Lindgren liebte die Kinder, das ist der erste schöne
Impuls den sie uns geben kann.
Astrid Lindgren sagte immer, dass sie eine schöne Kindheit
gehabt habe, was von Geborgenheit und Freiheit in der Familie her kam. Das ist
der zweite Impuls, dass auch wir heute den Kindern Geborgenheit und Freiheit
geben können, damit die Kindheit schön für sie ist.
Die Liebe zu den Kindern regte sie an, sich für Kinder Zeit
zu nehmen, ihnen Geschichten zu erzählen. Dann die Mühe auf sich zu nehmen,
diese Geschichten aufzuschreiben damit sie nicht nur ihrem eigenen Kind (Karin), sondern allen Kindern dieser Welt Freude machen können.
Stetiges Lernen und sich weiterbilden, gaben ihr den Mut sich
politisch zu engagieren und sich öffentlich für die Kinderrechte einzusetzen.
Also die Kinder zu lieben und sich mutig für sie einzusetzen, das kann uns heute inspirieren.


MR: Was haben
Sie schon erreicht und was wünschen Sie sich für die Zukunft?
DG: Wir haben als erstes erreicht, dass unsere eigenen Kinder,
viele andere Kinder und besonders viele Erwachsene einen besseren Zugang zu
Hilfen für Kinder bekommen haben.
Durch unsere direkten Hilfspakete haben wir erreicht, dass
viele, viele Kinder in ganz armen Ländern beschenkt wurden, sich freuen konnten
und Liebe gefühlt haben. Mit unseren Hilfspaketen konnten wir auch Schulen und
Kindergärten unterstützen, damit sie mehr Material für den Unterricht zu
Verfügung haben. Mit unserer Aktion „Mit Bilderbüchern beginnt die Bildung“
konnten wir weltweit Kinder erfreuen und sie anregen, nach Bildung zu fragen.

Damit wir unsere Hilfen ausweiten, und noch viel mehr Kindern
helfen können, sich zu bilden, Freude zu haben, sich geliebt zu fühlen in
Geborgenheit und frei ohne Hunger und medizinisch versorgt aufzuwachsen,
wünschen wir uns sehnlichst viel mehr Menschen, die bereit sind, 1% für Kinder
monatlich als Fördermitglied von ihrem Einkommen zu spenden. Oder einfach mal
1% vom Vermögen.