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Judentum und Islam: ihr wundervolles Zusammenleben vor dem Zionismus und jenseits des Zionismus


Liebe Leserinnen und Leser,
vor kurzem haben wir die deutsche
Übersetzung des Artikels von Prof. Yakov M Rabkin über die Perspektiven
bezüglich des muslimischen Anderen in der jüdischen Tradition veröffentlicht.
Hier finden Sie den entsprechenden
Link:
http://www.promosaik.com/prof-yakov-m-rabkin-perspektiven-zum-muslimischen-anderen-in-der-judischen-tradition/
Die Schlussfolgerung des Artikels
ist eine sehr positive: Judentum und Islam pflegten vor der Entstehung der
zionistischen Ideologie und vor der Gründung des Kolonialstaates Israel in der
Geschichte sehr positive Beziehungen untereinander.

Ich denke, dass die Berücksichtigung
dieses wunderbaren Zusammenlebens in der Geschichte der muslimischen Länder,
die viel toleranter waren als die christliche Welt, einen sehr produktiven
Ausgangspunkt darstellen kann, um heute erneut ohne den Zionismus und jenseits
des Zionismus in einem einzigen Land in Frieden zusammenleben zu können, indem man
die Identität des Anderen im weitesten Sinne respektiert.
Der Zionismus ist eine
nationalistische und kolonialistische Ideologie, die sich der jüdischen Ethik
widersetzt und auch der jüdischen Wahrnehmung des muslimischen Anderen als
monotheistischen Bruder vollkommen widerspricht.  
Im Folgenden finden Sie das
Interview unserer Redaktion mit Prof. Yakov über diesen so wertvollen Artikel.
Ich danke Ihnen allen für Ihre
Aufmerksamkeit
Dr. phil. Milena Rampoldi –
ProMosaik e.V.
Wir freuen uns auf Ihre Kommentare
an info@promosaik.com
Dr. phil. Milena Rampoldi: Lieber
Yakov, ProMosaik e.V. ist überzeugt, dass die Betonung der positiven
Beziehungen zwischen Islam und Judentum in der Geschichte uns heute helfen
kann, den Frieden und die Gerechtigkeit jenseits des Zionismus zu erlangen. Was
denkst du darüber, Yakov?
Prof. Yakov M Rabkin: Das ist genau
der Grund, wofür ich den Artikel geschrieben habe. Ich bin mir bewusst, dass es
massive Propagandabemühungen gibt, um diese Wahrheit zu verfälschen und zu
„beweisen“, dass die aktuelle Feindseligkeit zwischen zahlreichen Juden und
Muslimen auf die Geschichte und die Theologie zurückzuführen ist. Schritt für
Schritt bringen aber Menschen guten Willens, darunter Historiker, solides
Material vor, das das Jahrhunderte alte freundschaftliche Zusammenleben zeigt.  
Dr. phil. Milena Rampoldi: Welche
Strategien hat der Zionismus umgesetzt, um die Feindseligkeit zwischen Muslimen
und Juden hervorzubringen?
Prof. Yakov M Rabkin: In der Tat
sind diese Strategien so ziemlich neu. Der Zionismus ist eine säkulare,
anti-religiose, politische Bewegung. In den letzten beiden Jahrzehnten
entwickelte sich eine neue Tendenz, die das Ziel verfolgt, jede Hoffnung auf
ein Zusammenleben zwischen Juden und Muslime zu zerstören. Diese Strategien
hatten zwar ihren Erfolg, aber sie bleiben in vielen Ländern wie Kanada,
Südafrika, den USA, wo das Zusammenleben ganz natürlich abläuft, verdächtig.  
Dr. phil. Milena Rampoldi: Welchen
Problemen der Diskriminierung sind die israelischen Araber im heutigen Israel
ausgesetzt?
Prof. Yakov M Rabkin: Sie werden im
Bildungswesen, im Arbeitsleben und natürlich auch in ihren politischen Rechten
diskriminiert. Diese Praxis wurde zwar vom Höchsten Gericht widerlegt, aber es
sieht so aus, als hätte diese Kritik nachgelassen. Das Gericht kann sich nicht
von der dominanten, gesellschaftlichen Stimmung distanzieren, die eine
konstante Verschiebung nach Rechts erfahren hat.  
Dr. phil. Milena Rampoldi: ProMosaik
e.V. ist der Meinung, dass der israelisch-palästinensische Konflikt kein
religiöser, sondern eine neoimperialistischer Konflikt ist. Aber wir sind doch
der Überzeugung, dass es eine interreligiöse Lösung des Problems geben kann.
Wie optimistisch oder pessimistisch bist du hierzu?
Prof. Yakov M Rabkin: Es gibt
religiöse Muslime und Juden, die sich für den Frieden eingesetzt haben. Der
Rabbiner Froman und Sheikh Yassin von Hamas, der von den israelischen
Streitkräften ermordet wurde, versuchten vergeblich, die dominanten politischen
Kräfte zu beeinflussen. Diese Bemühungen müssen fortgesetzt werden. Denn die
streng religiösen Juden, die sich dem Zionismus widersetzen, haben ihre
Hoffnung nicht aufgegeben.  
Dr. phil. Milena Rampoldi: Lieber Yakov,
dein Artikel ist wesentlich, um die jüdischen Einstellungen zu den Muslimen zu
verstehen.
Welche sind die wichtigsten Aspekte,
die du jemandem nahelegen möchtest, der deinen Artikel noch nicht gelesen hat?
Prof. Yakov M Rabkin: Das Judentum
hat im traditionellen Sinne den Islam als die ihm am nächsten liegende
Religion angesehen, und dies sei es hinsichtlich der Praxis als auch der Werte.