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Claus Folger – Religion und Wahnsinn im Abendland (Teil 2)


Oder: „Wehe denen,
die Böses gut und Gutes böse nennen, die das Dunkel in Licht verwandeln und das
Licht in Dunkelheit.“ Jesaja 5,20
Wie viele Hunderttausend Tote hätte es weniger im Irak
gegeben, wenn der ehemalige US-Präsident Georg Bush einfach weiter gesoffen
hätte?  Mit Hilfe radikaler Evangelikaler
überwand er seine Alkoholsucht. Er  wurde
zu einem militanten Frömmler, teilte die Welt in Gut und Böse, Schwarz und Weiß
und zog 2003 als Wahnsinniger in den Gotteskrieg gegen den Irak.
Das ist nur wenig polemisch! Einen Kreuzzug, diesmal
gegen Palästinenser/Muslime, gibt es auch bei den christlichen Zionisten. Es
gilt die Regel, dass nicht alle Evangelikale (Pfingstler,
Charismatiker, Baptisten usw.) christliche Zionisten sind, aber alle
christlichen Zionisten radikale Evangelikale.
Der Heilige Krieg
Die Internationale
Christliche Botschaft Jerusalems
formuliert auf ihrer Website, in „sehr
schönen Worten“ verpackt, ihren christlichen Dschihad: „Die Wiederherstellung
des jüdischen Staates in unseren Tagen war und ist durch Krieg und Konflikt
charakterisiert. Doch der Gott, der sein Volk aus den Nationen zurück gebracht
hat, tat dies mit Gedanken der Erlösung und des Segens im Herzen.“ Und mit
Berufung auf Jesaja: „Israels Kriegsdienst“ werde bald zu Ende sein.
„Christliche Fundamentalisten glauben, in der
israelischen Siedlungspolitik den konkreten Vollzug göttlicher Heilsgeschichte
erkennen zu können. Die Internationale
Christliche Botschaft Jerusalem
hat in den letzten 20 Jahren nach eigenen
Angaben die Einwanderung von über 103.000 osteuropäischen Juden nach Israel
gesponsert“, schreibt Martin Kloke für den christlich-jüdischen Infodienst compass (Februar 2010). http://www.compass-infodienst.de/Martin-Kloke-Christliche-Zionisten-eine-kritische-Darstellung.7851.0.html
Muslime sind
Objekte
Da amerikanische Juden in den Medien oft nur im
Zusammenhang mit Lobbyismus für Israel genannt werden, übersieht man, dass
amerikanische Juden grundsätzlich liberal sind. Sie sind die einzige religiöse
Gruppe in Amerika, die mehrheitlich den Demokraten die Stimme gibt. Doch die
Schere zwischen Juden in Israel und Juden In Amerika öffnet sich. So schreibt die israelische Zeitung Haaretz am 9.11.2014: “There is no
denying that the core liberal values that are sacrosanct for Jews in America
are under increasing threat in Israel. Anti-democratic sentiments are gaining
ground, the Arabic minority is being stigmatized and isolated, and freedoms of
speech is no longer taken for granted.”
Und nicht weniger bedeutend sei
es, dass in Israel immer mehr Ultrareligiöse und Ultrakonservative an die Macht
kämen, die in vielerlei Hinsicht nur blanke Kopien der Evangelikalen seien, die
amerikanische Juden nicht ausstehen könnten. Haaretz verweist auf eine jüngste
Umfrage und schreibt: „Evangelicals are the religious group least favored by
American Jews.“
Die Ergebnisse der Umfrage des Washingtoner Meinungsforschungsinstituts
Pew Research Center, das analysierte,
welche Gefühle Amerikaner den unterschiedlichen religiösen Gruppen gegenüber
haben, finden Sie in der folgenden Tabelle. Demnach mögen Juden Evangelikale am
wenigsten, während Evangelikale Juden am meisten mögen. Muslime wurden
bewertet, durften andere aber nicht bewerten. Sie sind nur Objekte. 
Peace No! Messiah Now!
Es gibt keine genauen Zahlen darüber, wie viele Millionen
evangelikaler Christen es in den USA gibt, aber allein die Pro-Israel-Sekte Christians United for Israel hat mittlerweile
über eine Millionen Mitglieder und ca. 1,3 Mio. Likes auf Facebook.
82% der weißen Evangelikalen in den USA glauben, dass
Gott das Land Israel den Juden gab. Daher gibt es bei ihnen die starke Neigung,
den Islam bei der angenommenen endzeitlichen Entscheidungsschlacht um das Heilige Land als den großen Satan darzustellen.
Die böse Saat
„Ist die zionistische Idee eine christliche Erfindung?“ fragt
Klaus von Raussendorff in einem Beitrag für den Deutschen Freidenker-Verband. Ich zitiere eine beachtenswerte
Passage seines interessanten Artikels:
„Das erste, was man über den christlichen Zionismus
wissen sollte ist, dass britische und US-amerikanische fundamentalistische
Christen die zionistische Idee vor Theodor Herzl erfunden haben. Und bis heute
ist kennzeichnend, dass christliche Zionisten radikaler auftreten als jüdische
oder israelische. Göttlichen Willens gewiss, gehen sie über das wirkliche
Geschehen in der Region und die Bestrebungen der dort lebenden Menschen zynisch
hinweg.“ Lesen Sie bitte hier weiter:
http://www.freidenker.org/cms/dfv/index.php?option=com_content&view=article&catid=39%3AReligions-+und+Kirchenkritik&id=63%3Achristlicher-zionismus&Itemid=68
Deutsche
Blutstiefel
Wenn es tatsächlich einen Israellobbyismus geben sollte,
der mit „echtem“ Lobbyismus durch die Pharma-, die Rüstungs-, die
Verteidigungs-, die Finanz-, die Agrarindustrie usw.­ vergleichbar wäre, dann
ist dieser christlich und nicht jüdisch. Außerhalb Israels leben ca. acht
Millionen Juden, während allein die Zahl evangelikaler Christen auf ein paar
hundert Millionen geschätzt wird.
Und da Israel wie jede Kolonialmacht seine Legitimation,
seine finanzielle und militärische Unterstützung von außen erhält – solange bis
der Wind sich dreht bzw. das Imageproblem für die verantwortlichen Politiker in
den europäischen Regierungen bzw. der amerikanischen Regierung zu groß wird –,
ist Israel als westliche Besatzungsmacht im weiteren Sinne auch eine
christliche Besatzungsmacht. Hauptunterstützer/Mutterländer Israels sind
schließlich „christliche Nationen“ wie Deutschland und die USA.
 „Flüchtlinge sind
Krebsgeschwür“
naher-osten/israels-asylpolitik-fluechtlinge-protestieren-in-tel-aviv-12739877/fuer-ministerpraesident-12739910.html
Im Mai 2012 demonstrierten Bewohner (und Mitglieder der
Knesset) in Süd-Tel Aviv gegen afrikanische Einwanderer. Ein Mob löste sich aus
der Demonstrationsmenge und attackierte die Flüchtlinge gewalttätig. Benjamin
Netanjahu verurteilte die Gewalttaten gegen die „Eindringlinge“.
Eine Umfrage des Jerusalemer Meinungsforschungsinstituts The Peace
Index
(Juni 2012) ergab, „dass sich 33,5 % der Juden und 23 % der Araber
mit den jüngsten Gewalttaten gegen afrikanische Einwanderer identifizierten,
die von Demonstranten und Bewohnern von Süd-Tel Aviv begangen wurden.“ In dem
gleichen Zusammenhang bezeichnete ein Mitglied der Knesset, Miri Regev, sich „illegal“
in Israel aufhaltende Afrikaner als ein „Krebsgeschwür“ für Israel. Eine weitere
Umfrage des The Peace Index (Ende Mai 2012) fand heraus, dass sich 52 % der Juden
und 19 % der Araber mit dieser Aussage einverstanden erklärten.
Es gibt in Israel übrigens kein Asylgesetz.
Die Außerirdischen
Überraschen diese Zahlen? Nicht wenn man weiß, dass es
eine Korrelation zwischen Religiosität und rassistischen Einstellungen gibt.
Laut der letzten Umfrage des Israelischen Demokratie-Instituts (IDI) von Oktober 2013 glauben zwei
Drittel der jüdischen Israelis, dass das „jüdische Volk“ das „auserwählte Volk“
ist. Man stelle sich das gleiche Zahlenverhältnis bei Moslems vor: Über eine Milliarde
Moslems von weltweit ca. 1,6 Milliarden Moslems heben bei der Frage „Sind Sie
von Gott auserwählt ?“ die Hand. Der Islamische
Staat
würde sich bis nach Alaska ausbreiten!
Das Rückkehrgesetz
Das Rückkehrgesetz
ist ein israelisches Gesetz aus dem Jahr 1950. „Nach diesem hat jeder Jude
Anspruch auf die israelische Staatsangehörigkeit und auch nicht- israelische
Juden haben mehr Rechte auf Land und Ressourcen als die nicht-jüdischen
Staatsbürger Israels“, schreibt Petra Wild in Apartheid und ethnische Säuberung in Palästina. Das Rückkehrgesetz proklamiert Israel als
Heimat für alle Juden überall und ermöglicht grundsätzlich allen Juden weltweit
auf Kosten der einheimischen/ansässigen Bevölkerung (also auf Kosten der
Palästinenser) nach Israel in das gelobte Land/das verheißene Land/das
biblische Land der Vorväter
einzuwandern. Für die einen ist diese Idee
romantisch bzw. zwingend aus der Geschichte heraus. – Für die anderen ist es
klassischer Siedlerkolonialismus, da jüdische Einwanderer völkerrechtswidrig in
den besetzten Gebieten angesiedelt werden.
Der Journalist, Politiker und Friedensaktivist, Uri
Avnery, sagt in GEOEPOCHE Israel:
„Ben Gurion schuf den Staat Israel, wie er heute ist, einen jüdischen Staat, in
dem keine Trennung zwischen Religion und Staat besteht, in dem Nicht-Juden
eigentlich Gäste sind, nicht Mitbürger, und Juden besondere Rechte genießen,
und zwar nicht allein das Recht der Rückkehr, wie man immer annimmt und viele
Israelis glauben.“
Kriegsverbrecher
https://www.youtube.com/watch?v=_jTJlIfk1-8
Zwischen
Bombenteppich und Pilgerboom
Der Konflikt zwischen dem palästinensischen Volk auf der
einen Seite und Mitgliedern der jüdischen Religionsgemeinschaft auf der anderen
Seite ist nur dann perspektivisch zu lösen, wenn das Rückkehrgesetz abgeschafft wird. Die Durchsetzung des Völkerrechts
in Israel ist ohne Alternative!
Die Religion muss von der Politik getrennt werden. Das
gilt nicht nur für andere (Perser/Araber/Muslime usw.), sondern auch für den
„aufgeklärten“ Westen.
Wenn Millionen Christen und Juden für einen
Apartheidstaat beten, weil sie diesen mit dem herannahenden Reich Gottes gleichsetzen,
wenn Abermillionen Christen zu den „heiligen“ Stätten einer Apartheidstadt und
Umgebung pilgern und in einer Trennmauer 
kein schreiendes Unrecht erkennen, sondern durch sie offensichtlich einen
Abenteuerkick mit echten Soldaten erfahren, dann sollte in dieser bigotten und
verblendeten Gesellschaft besser nicht die fehlende Aufklärung im Islam
thematisiert werden.
Der Balken im eigenen Auge ist groß genug!
Trotz Gaza-Massakers kamen im vergangenen Jahr in etwa
genauso viele Touristen nach Israel wie im Rekordjahr 2013. Nach Auskunft des
israelischen Tourismusministers, Usi Landau, waren unter den Touristen 56
Prozent Christen und 24 Prozent Juden. Die übrigen Besucher gehörten anderen
Glaubensgemeinschaften an oder hätten keine religiöse Zugehörigkeit.
Postskriptum:
Das Alte Testament ist keine Geschichtschronik, sondern
ein religiöses Buch. „Jüdisches Volk/Volk der Juden“ ist somit ein spiritueller
Begriff.

Gott („Abba,
lieber Vater“) steht nicht über den Menschenrechten!

Quellen:

http://www.bh.org.il/databases/jewish-genealogy/

http://www.palaestina-portal.eu/Stimmen_deutsch/strohmeyer_arn_Rezension_Israel_kontrovers.htm

http://www.davidsheen.com/racism/#overviews

http://www.fao.org/news/story/en/item/240924/icode/

http://www.adalah.org/en/law/index

 http://en.idi.org.il/events/democracy-index/presentation-of-the-2013-israeli-democracy-index

http://www.zeitenschrift.com/news/israels-anwendung-von-folter-muss-auch-enthuellt-werden#.VNFLHS6oNVc

http://sicht-vom-hochblauen.de/die-cia-bezieht-sich-auf-eine-entscheidung-des-israelischen-gerichtshofes-um-ein-folterprogramm-zu-rechtfertig

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/enthuellungen/redaktion/-kinder-in-kaefigen-menschenrechtsgruppe-wirft-israel-folter-vor.html

http://www.timesofisrael.com/most-israeli-jews-agree-africans-are-a-cancer/

http://www.peaceindex.org/indexMonthEng.aspx?num=242

http://www.compass-infodienst.de/Martin-Kloke-Christliche-Zionisten-eine-kritische-Darstellung.7851.0.html

http://www.pewforum.org/2014/07/16/how-americans-feel-about-religious-groups/pf_14-07-16_interreligiousrelations_all/

http://www.pewresearch.org/fact-tank/2013/10/03/more-white-evangelicals-than-american-jews-say-god-gave-israel-to-the-jewish-people/

 http://www.kritisches-netzwerk.de/forum/ein-oder-zweistaaten-perspektive-palaestina-versus-israel-oder-israel-palaestina 

http://www.kritisches-netzwerk.de/printpdf/3937

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